Review: Assassins Creed Origins

Ich habe mit meinen Ohren gewackelt als Ubisoft vor 2 Jahre verkündete dass Assassins Creed nach Syndicate eine kreative Pause einlegen würde. Obwohl ich Syndicate tatsächlich noch gut fand, obwohl es eigentlich nur am Setting des Viktorianischen Londons lag, habe ich trotzdem gemerkt dass Assassins Creed ganz dringend mal ein Päuschen bräuchte weil es sich einfach kaum merkbar weiterentwickelt hat, und laut den Verkaufszahlen war ich nicht der einzige mit dieser Meinung.
Letztendlich wurde dann auf dieser E3 das neue Assassins Creed vorgestellt, und es sollte diesmal um den Ursprung der Assassinen gehen, das kombiniert mit dem Setting des Antiken Ägypten und einen komplett überarbeiteten Kamp- und Rollenspielsystem hat sich das sehr vielversprechend angehört.
Somit habe ich mir voller vorfreunde AC: Origins gekauft und kann sagen das sich die Pause gelohnt hat, auch wenn es noch viel Potenzial verschenkt.

Assassins Creed typisch ist die Hauptgeschichte sehr austauschbar und einfach gehalten, es geht um eine Rachegeschichte von unseren beiden Protagonisten Bayek von Siwa und seiner Frau Aya.
Den Charakter den man 95% des Spieles kontrolliert ist Bayek, der letzte Medjai. Medjai‘s sind eine Art Beschützer des Volkes, ein Polizist der quasi alleine arbeitet, jedoch wurden sie abgeschafft weil sie keiner mehr brauchte.
So langweilig die Prämisse dieser Geschichte ist, fand ich dass sie trotzdem sehr unterhaltsam erzählt wird. Die beiden Hauptcharaktere sind sympathisch geschrieben und man fiebert mit den beiden mit und kann sie zum Teil auch nachvollziehen, auch wenn sie eigentlich notgeile Massenmörder sind. (Ich übertreibe nicht)
Es gibt zu den beiden Hauptcharakteren auch tolle Nebencharaktere, wie z.B. der kaltschnäuzige Kapitän Phoxidas, obwohl manche Charaktere auch sehr stark ihr Potenzial verschenken, insbesondere Kleopatra.
Abgesehen von den Tollen Charakteren hat die Geschichte auch noch einige Twists zu bieten die ich so nicht hab kommen sehen.
Ach, und übrigens, der ganze Jetztzeit Quatsch mit Abstergo gibt es natürlich auch wieder, doch dieser Aspekt ist so Dröge und verwirrend, dass man ihn getrost ignorieren kann, weil es eh nichts zur Hauptgeschichte beiträgt. Aber wen es interessiert, kann sich darin auch verlieren denn es gibt dort einige an E-Mails zu lesen.

Die Geschichte ist zwar nicht Makellos, aber dafür die Spielwelt. Ich habe noch nie so eine artistisch grandios ausgearbeitet offene Welt gesehen wie das Antike Ägypten von Assasssins Creed Origins.
Ägypten ist so viel mehr als nur Wüste, und das hat uns Ubisoft bewiesen. Große Städte wie Alexandria oder Memphis haben ihren ganz eigenen Charakter und bleiben im Kopf hängen, aber auch die Wüsten mit ihren Pyramiden wie z.B das Weltwunder von Gizeh haben mich staunen lassen. Dazu muss ich mal lobend das Scaling dieser Welt erwähnen. Erst war ich abgeschreckt von der gigantischen Spielwelt, aber im Endeffekt hat es dem Spiel sehr gut getan. Als ich von einer Pyramide, die ich übrigens 2 Minuten hochgeklettert bin, auf die Stadt Memphis herabgeschaut habe hat es mir den Atem verschlagen. Zu der Grandiosen Spielwelt kommt noch dazu dass das Spiel grafisch einfach wahnsinnig gut aussieht, sogar auf den Konsolen. Die große draw distance hilft der Immersion nur ungemein.

 

Und wie es sich für Ubisoft gehört ist diese Spielwelt natürlich auch wieder vollgepackt mit Aufgaben durch deren man sich mordet, schleicht und rätselt.
Es gibt etliche an Nebenquests die einen begleiten, von denen aber ehrlich gesagt 80% nur Beschäftigungstherapie sind. Die meisten Quests laufen nämlich so ab:

  1. Es beginnt mit einer Spannenden Prämisse, zum Beispiel erzählt mir ein verwirrter Bauer das sein Hof von Dämonen abgebrannt wurde
  2. Ich laufe zu den Zielgebiert, untersuche mit meinen Adler Senu das Zielgebiet. Dort finde ich eine Person die von Hyänen angegriffen wird und ich versuche ihn natürlich zu retten.
  3. Ich rette die Person, er sagt mir dass er weiß wovon der Verwirrte Bauer spricht, und im Endeffekt stellt sich heraus, dass es nur Banditen waren die praktischer weise auch direkt in der Gegend ihr Lager haben.
  4. Ich gehe zum Lager hin, töte alle Banditen und rette vielleicht noch eine Person.
  5. Ende

Und so laufen wirklich die meisten Nebenquests ab. Es beginnt immer Spannend, aber im Endeffekt sind eh immer die Banditen schuld.
Aber die restlichen 20% an Nebenquest sind ziemlich gut gelungen. Kleines Beispiel: Ich laufe durch eine Stadt zu meinen Nächsten Ziel und auf einmal zentriert sich meine Kamera auf eine Frau, die gerade Suizid begehen will.  Ich will nicht Spoilern wie diese Quest ausgeht, aber manche Quests haben sogar kleine Auswirkungen auf die Spielwelt.
Natürlich ist das alles nicht so Aufregend wie in The Witcher 3, vor allem weil man an sich keine große Entscheidungsfreiheit hat, aber es ist trotzdem schön zusehen das sie sich bei manchen Quests wirklich was gedacht haben.

Was gibt es denn noch zu tun? Jagen, schätze finden, Aussichtspunkte erklimmen, Außenposten erobern und kleine Rätsel lösen. Der ganze Standard halt. Da aber Origins ein Rollenspiel System mit verschiedenen Waffen, Rüstungen und Erfahrungspunkte hat, motiviert es trotzdem diese ehr uninteressanten Nebenbeschäftigungen zu machen, obwohl man im Prinzip nur Kartenmakierungen abklappert.
Mein größtes Highlight von den Nebenaktivitäten war aber die Erkundung von Gräbern.
Die Gräber sind sehr detaillierte, ausgearbeitete und mit Rätsel bestückte Labyrinthe, die einen reichlich belohnen wenn man sie komplett erkundet. Sie sind klaustrophobisch und verwirrend aufgebaut, und geben einen das Gefühl ein richtiges Grab in einer Pyramide zu erkunden, man freut sich wirklich wenn man 10 Minuten mit seiner Fackel durch die Gräber läuft und dann am Ende endlich wieder das Tageslicht sieht.

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Die größten Neuerungen von Origins sind jedoch das überarbeitet Kampf- und Rollenspielsystem.
Man kriegt für jede kleinste Aktivität Erfahrung womit man Bayek in 3 unterschiedlichen Talent-Bäumen ausbauen kann, jedoch spezialisiert man sich auf keine von denen. Zum Ende des Spiels hatte ich fast alle Talente und ich denke dass im Endeffekt jeder den gleichen  Charakter spielen wird, vor allem weil manche Talente, wie der Schwere Angriff zum Beispiel, deutlich besser sind als manch andere.
Am Anfang motiviert das freischalten von neuen Talenten noch sehr, flacht dann aber sehr stark ab sobald man gewisse Fähigkeiten hat. Ab der Hälfte des Spieles habe ich mir bei neuen Talenten immer nur gedacht: „Schön zu haben, aber nicht unbedingt nötig.“, was an sich schade ist.

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Zum ausbauen des Charakters gehört natürlich auch das Sammeln von neuer Ausrüstung. Die Rüstungen von Bayek verändern zwar nur sein aussehen, aber die anderen Ausrüstungsgegenstände, wie z.B die verstecke Klinge, können durch Jagen verbessert werden, somit bleibt das Jagen von Löwen und Gazellen das ganze Spiel lang interessant und motivierend.

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Bayek findet in seinem Abenteuer auch etliche Tötungswerkzeuge wie Sicheln, Großäxte oder Kriegsbögen in 3 unterschiedlichen Qualitätsstufen, und jede Waffengattung fühlt sich von den Angriffen her anders an, aber es gibt ein großes Problem mit diesen System.
Sobald man einmal eine Legendäre Waffe gefunden hat, gibt es keinen Grund eine andere anzulegen. Die Gegenstände sind zwar für die Stufe angepasst an der man sie findet, aber man kann die Waffen bei seinen Schmied für ein paar Drachmen immer auf seine jetzige Stufe aufrüsten. Heißt, wenn man ziemlich früh eine Legendäre Waffe findet, z.B mit Stufe 5, und dann damit bis auf Stufe 10 spielt, kann man sie einfach auf den jetzigen Stand aufrüsten und hat dann eine Legendäre Waffe der Stufe 10. Und da die legendäre Waffen so starke Eigenschaften gegenüber den seltenen Waffen haben, macht es nie wirklich sinn seine Waffe zu wechseln. Natürlich hat man vielleicht ein oder zwei Stufen wo es sich lohnen würde eine seltene Waffe anzulegen, aber der Unterschied ist nur sehr marginal.

 

 

Aber was ist denn mit dem neuen Kampfsystem? Kurz gesagt: Besser als vorher, aber nicht perfekt.
Assassins Creed verabschiedet sich von seinen Arkham-Style, parier fokussierten Kampfsystem und geht ehr in die Richtung von Dark Souls. Das heißt, blocken, ausweichen und zum richtigen Zeitpunkt angreifen ist der Schlüssel zum Sieg. Man hüpft nicht mehr durch die Gegend wie ein tollwütiger Affe und pariert jeden Schlag wie ein Fecht-Gott, sondern kämpft Angesicht zu Angesicht mit seinen Gegnern, und das wird sehr schnell sehr unübersichtlich wenn mehr als 10 Gegner auf den Bildschirm rumlaufen.
Deshalb ist es am Anfang wichtig, nicht mit den Kopf zuerst in ein gegnerisches Lager zu rennen, man sollte versuchen vorher ein Paar Gegner heimlich abzumurksen bevor man in die offensive geht.
Aber genauso wie das neue Rollenspielsystem verliert auch das neue Kampfsystem im späteren Spielverlauf seinen Reiz.
Natürlich ist es sehr gut eine gewisse Art von Charakter-Fortschritt zu bemerken, aber auf den normalen Schwierigkeitsgrad ist man am Ende so stark, das man alle Gegner nur noch mit button mashing zu klump hauen kann, da ist dann nur noch wenig Taktik von Nöten. Persönlich weiß ich nicht wie es ist auf einen Höheren Schwierigkeitsgrad zu spielen, aber ich habe gehört das dort Taktik und spielerisches können immer noch im Vordergrund steht.

70 Stunden zeigt mir der Zeitzähler des Spieles an nachdem ich es zufrieden ad acta gelegt habe.
Die Reise von Bayek & Aya hat mich durchweg unterhalten, obwohl gefühlt 40% davon nur Beschäftigungstherapie war, aber das hat mich nicht gestört.  Während ich die Kartenmarkierungen abgeklappert habe lief bei mir im Hintergrund ein Podcast und ich hab mich berieseln lassen.
Die Ubisoft Openworld Formel ist im neusten AC immer noch präsent, aber sie wirkt nicht mehr so langweilig wie in den alten teilen weil sie durch ein paar neue Ideen, wie die Gräber, aufgefrischt wird.
Ich würde mir wünschen das Ubisoft an Origins anknüpft, sich zeit lässt und die neuen Systeme weiterhin verfeinert. Mir kam es so vor, als hätten sich die Entwickler The Witcher 3 angeschaut, und gesagt: „Ok Leute, wir machen das genau so, aber das Spiel muss 2017 veröffentlicht werden.“
Ubisoft, lasst euch Zeit, bitte. Auch wenn sich Origins fantastisch verkauft hat, falls ihr wieder das gleiche macht und jetzt wieder jedes Jahr ein AC rausbringt wird sich das Schicksal nur nochmal wiederholen.
Lasst euch Zeit, traut euch etwas bei der Geschichte und den Nebenquests, verfeinert das Spielgefühl und ihr habt höchst wahrscheinlich ein Spiel, bei dem man keine Zeit hat sich nebenbei einen Podcast anzuhören.

Ihr müsst euch nur diese Frage stellen: Wollen wir ein Spiel entwickeln was“ gut“ ist, oder eins, welches in Erinnerung bleibt? Ich würde das letztere bevorzugen.

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