Ein Liebesbrief an: Life is Strange

Spoiler Warnung für Life is Strange und Life is Strange: Before the Storm


Mein erster Kontakt mit Narrativen-Episoden Games war, wie bei vielen anderen Leuten wahrscheinlich auch, das geliebte Telltale The Walking Dead. Obwohl ich eigentlich kein Fan von The Walking Dead bin habe ich dieses Spiel dennoch verschlungen und habe es geliebt, jede einzelne Episode war einzigartig und ich war zutiefst berührt als mein Abenteuer mit Lee zu Ende war.
Als die „Telltale-Formel“ früher noch nicht komplett ausgelutscht war habe ich mich auf jedes neue Spiel von ihnen gefreut, alle diese Spiele waren sehr unterhaltsam und mitreißend, vor allem solche Ausnahmen wie The Wolf Among Us oder Tales from the Borderlands.
Aber nachdem für mich die Zweite Staffel von The Walking Dead eine mittelgroße Enttäuschung war habe ich gemerkt wie diese Spiele tatsächlich funktionieren und der ganze Charme war auf einmal weg. Da die Entscheidungsfreiheit nur vorgegaukelt wurde und die erzählten Geschichten mich auch nicht mehr interessiert haben, habe ich nach Tales from the Borderlands mich dazu entschieden keine Spiele mehr von Telltale zu spielen, das war mir das Geld einfach nicht mehr wert, vor allem nachdem sie immer länger gebraucht haben Episoden zu veröffentlichen.
Ich habe eigentlich gedacht dass ich somit komplett mit diesen Genre abgeschlossen hätte, aber dann hat mir Dontnod gezeigt wie man diese Spiele richtig macht, nämlich mit Life is Strange.
Ich war erst ein bisschen vorsichtig bevor ich mir Life is Strange gekauft habe weil es zu einen Zeitpunkt rausgekommen ist als schon die Telltale-Erschöpfung eingesetzt hat. Ich dachte dass es einfach nur ein komisches Teenie-Drama mit Telltale anleihen wird, aber da ich mich vorher gar nicht mit diesen Spiel befasst habe wurde ich ziemlich überrascht.

Als erstes hätte ich nicht gedacht das Life is Strange tatsächlich ein bisschen Gameplay zu bieten hat. Ich war ein bisschen verwirrt das sie eine Zeitreise-Mechanik eingebaut haben womit man sich fast jede Auswirkungen einer wichtigen Entscheidungen anschauen kann. Ich war erst fest der Meinung dass es die Wucht aus einer getroffenen Entscheidung rausnimmt weil man ja einfach wieder die Zeit zurückspulen kann und sich für etwas anderes entscheiden kann, aber dann habe ich ziemlich schnell gemerkt das die Entscheidungen in Life is Strange sehr viel mehr als nur Schwarz/Weiß sind. Es gibt in diesem Spiel einfach keine richtigen Entscheidungen und da ich mir immer beide Optionen anschauen konnte habe ich mich immer ein bisschen schlechter gefühlt, da ich wusste dass es nie Optimal ausgehen würde. Ich konnte einfach getrost auf mein Herz hören und mich für das entscheiden was ich, in diesen Moment, am besten hielt.
Zweitens, habe ich, spätestens, in der Zweiten Episode gemerkt dass die Entscheidungen die ich getroffen habe gravierende Auswirkungen auf mein Spiel hatten. Ich konnte zum Beispiel am Ende dieser Episode Kate nicht vor ihren Suizid retten und musste somit das restliche Spiel komplett auf ihren Charakter verzichten. Ich war beeindruckt davon dass sich Dontnod so etwas getraut hat, solche Entscheidungen  trauen sich nicht viele Entwickler, da ja das Risiko besteht das manche Spieler nicht alles mitbekommen wodran die Entwickler gearbeitet haben, aber das hat mich dann doch schon sehr gereizt.
Drittens, wurde ich von dieser Geschichte so unfassbar abgeholt dass ich am Boden zerstört war als es zu Ende war.  Dieses, am Anfang noch leichtherzig wirkende Teenie-Drama, wurde sehr schnell zu einen packenden Krimi mit übernatürlichen Einflüssen.  Dieses Mysterium um Rachel und Mr. Jefferson, welches nebenbei immer weiter aufgebaut wurde, widert mich heute noch an und ich möchte mit ganzer Seele Jefferson verprügeln, auch wenn er nur fiktiv ist.

Generell ist das ganze Universum um Life is Strange äußerst interessant, da eigentlich kaum etwas erklärt wird. Wieso hat unsere Protagonistin Max übernatürliche Zeitreise Fähigkeiten? Was hat es mit den Tier-Geistern auf sich die jeweils zu einer bestimmten Person gehören? Wieso löst der Butterfly Effekt am Anfang des Spieles einen gigantischen Sturm auf unsere Stadt aus? Vielleicht bekommen wir ja im nächsten Teil antworten darauf, auch wenn wir auf die uns bekannten Charaktere verzichten müssen, was ich aber sehr gute finde.
So gut ich die Geschichte um Life is Strange auch fand, hat man spätestens in der 4. Episode gemerkt wo die Reise hingeht, vor allem was das unausweichliche Schicksal von unserer besten Freundin Chloe betrifft und das Spiegelt sich erst Recht in den Beiden Enden wieder.
Das Ende von Life is Strange war für mich eine Entäuschung, nicht weil die Enden nicht passten oder nicht unterhaltsam wären, sondern weil sie dieses, von Entscheidungen stark beeinflusste Spiel, auf eine Binäre Entscheidung runterbrechen und das hat mir nicht ganz gepasst. Außerdem merkt man bei den beiden Enden das ein bestimmtes Ende sehr viel mehr ausgearbeitet ist als das andere und da erkennt man das die Entwickler einen klaren Plan für die Charaktere hatten, aber da diese Geschichte nicht weiter fortgeführt wird kann man das sehen wie man möchte, es bleibt trotz alledem seine eigen beeinflusste Geschichte.

Life is Strange hat für mich die Narrativen-Episoden Spiele wiederbelebt und hat die „Telltale-Formel“ weiterentwickelt und ich war sehr gespannt als sie auf dieser E3 einen weiteren Teil dieser Reihe angekündigt haben.
Es sollte ein Prequel zu Life is Strange werden und die Beziehung zwischen Chloe und Rachel erklären, welches ich erst für eine komische Idee hielt. Ich fand das Life is Strange eine fantastische Arbeit gemacht hat ein bisschen Licht in die Beziehung zwischen den beiden zu bringen, es war subtil aber trotzdem sehr deutlich, deshalb habe ich erst gedacht das es eher unnötig wirkt darüber eine Geschichte zu erzählen, aber auch hier haben sie es hinbekommen eine interessante Geschichte zu erzählen.
Dazu sollte man sagen, dass dieses Prequel nicht von Dontnod selbst entwickelt wurde, es wurde an Deck Nine weitergegeben damit Dontnod an einen Sequel für Life is Strange arbeiten kann, ich persönliche fand aber dass man den Unterschied nicht wirklich gemerkt hat. Deck Nine hat die Essenz und die Seele von Life is Strange perfekt adaptiert und somit wurde Life is Strange: Before the Storm auch wieder zu einen unterhaltsamen Abenteuer, auch wenn es nicht makellos ist.

Life is Strange: Before the Storm hat einen interessantes kniff, es erzählt eine Geschichte in einer Geschichte. Ich meine damit, dass es, wie bereits gesagt, im Endeffekt die Geschichte beschreibt wie Chloe und Rachel sich kennen und lieben gelernt haben, aber innerhalb dieser Geschichte wird noch die Vergangenheit und das Familien-Drama von Rachel erläutert. Dadurch entsteht eine gute Balance zwischen alt und neu, altes wird weiter detailliert und das Aracadia Bay, welches wir alle Lieben, wird weiter ausgefüllt und dazu wird noch ein neues Mysterium innerhalb dieser Geschichte aufgebaut.
Ich weiß nicht ob das nur an mir liegt, aber ich habe tatsächlich ziemlich schnell durschaut wie dieses Mysterium aufgelöst wird, deshalb war es für mich eher weniger überraschend, aber es war trotzdem interessant und gut geschrieben beziehungsweise erzählt.
Für mich persönlich war deswegen das Mysterium eher weniger von Interesse, sehr viel mehr hat mich die Beziehung zwischen Chloe und Rachel interessiert. Man hat in Life is Strange nie ein wirkliches Bild davon bekommen wie Rachel tatsächlich war, aber mit diesen Prequel hat man gemerkt dass Rachel nicht Everbody’s Darling war.
Es gibt zwar nicht so viele Entscheidungen wie im Hauptspiel, das liegt aber vor allem daran dass es nur 3 statt 5 Episoden gibt, aber trotzdem haben sich die Entscheidungen einflussreich angefühlt, obwohl man, bedauernswerterweise, weiß wie sich diese Charaktere weiterentwickeln werden.
Trotz dessen Wissen was das Schicksal für diese Charaktere bereithält bin ich mit einen sehr positiven und wohligen Gefühl aus dieser Geschichte rausgegangen.

Ich habe nun sehr viel über die Geschichte philosophiert, da es natürlich das Hauptkriterium dieser Spielereihe ist, aber wie sieht es denn Gameplay technisch aus?Da die Zeitreise aus den ersten Teil logischer Weise wegfällt, haben wir nur ein „Argumentations-System“. Da Chloe ein sehr großes Mundwerk hat, diskutiert sie gern mit ihren Gegenüber um an nützliche Informationen und optionale Lösungswege zu kommen.
Obwohl das alte System sehr viel interessanter und spaßiger war, passt dieses System einfach zu Chloe. Ich hoffe jedoch dass sie sich für den nächsten Teil wieder etwas Schönes ausdenken, ich möchte nämlich nicht dass es sich zu einer langweiligen Dialogbox-Klickerei und Quick-Time-Event Paranoia à la Telltale entwickelt, ich bin jedoch sehr zuversichtlich.

Life is Strange und das Prequel erwischen einen gewissen sweet spot in meinen Herzen welches nicht viele Spiele replizieren können. Ja, die Geschichten wie in den bereits erwähnten The Walking Dead oder die atemberaubende Geschichte von Wolfenstein 2 sind großartig und erwähnenswert, aber Life is Strange schafft es einen perfekten Spagat zwischen Klischee und knallharten Realismus zu schlagen. Da ich ein paar angesprochene Themen persönlich sehr nachvollziehen kann, finde ich es einfach nur umso schöner dass sie dieses Spiel nicht einfach als dämliches Teenie-Drama behandeln.
Da ich selber nicht die älteste und kaltherzigste Person dieser Welt bin habe ich sehr viele Tränen bei diesem Abenteuer vergossen. Die Charaktere, die absolut passende Musik und die angesprochenen Themen  beziehungsweise die Geschichte im Ganzen lassen mich dieses Spiel wahrscheinlich nie vergessen.

Wahrscheinlich hat mich dieses Spiel auch in mancher Weise zu dem gemacht was ich heute bin.

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